Ernährung Wissenswertes

Wie ich meinen Koch-Schweinehund überwinde

Ich habe lange Zeit zu den Menschen gehört, für die Essen lediglich die Aufnahme von Nahrung war. Als ich angefangen habe, mich vegetarisch und später dann vegan zu ernähren, hat sich das schlagartig geändert. Heute liebe ich Essen. Wenn ich über den Markt gehe und all die frischen Lebensmittel sehe, laufen vor meinem geistigen Auge ellenlange Filme ab, wie ich ebendiese verarbeiten kann. Wenn ich mal ganz ehrlich zu mir bin, denke ich einen Großteil des Tages an Essen.
Als ich mich letztens mit meiner lieben Jenni von Mehr als Grünzeug getroffen habe und sie mich fragte: „Weißt du, worauf ich mich am meisten am Herbst freue?“, lautete meine begeisterte Antwort: „Kürbisse?!“. Sie wollte eigentlich auf das Einkuscheln in dicke Schals und Ponchos hinaus. Ich fand die Situation mal wieder sehr bezeichnend.

Das Gute an dieser Begeisterung für Essen ist, dass ich wirklich gerne in der Küche stehe und dementsprechend auch fast ausschließlich frische, weitgehend unverarbeitete Lebensmittel auf meinem Teller landen.
Ich gebe zu, manchmal fehlen auch mir Zeit und Lust dazu und dann gibt es eben ab und zu auch mal eine Tiefkühlpizza, oder eine Woche lang Take-away-Futter vom Nepalesen. Aber dann merke ich auch relativ schnell, dass mein Körper ganz anders auf dieses Essen reagiert – mit Müdigkeit, Antriebslosigkeit und  Pickeln auf der Stirn. Spätestens wenn sich Letztere bemerkbar machen, weiß ich: Es ist höchste Zeit, den Hintern wieder hochzukriegen und selbst zu kochen!

Dass das aus Motivations- und Zeitgründen oft nicht leichtfällt, kann ich sehr gut nachvollziehen und deshalb möchte ich dir einige Tipps an die Hand geben, die mir helfen, wenn mein Schweinehund sich mal wieder zu Wort meldet.

Einkaufen zum Erlebnis machen

Ich muss gestehen, dass ich kein großer Fan von Supermärkten bin. Von allen Seiten wird man von grellen Schildern förmlich angeschrien, man müsse unbedingt dies oder jenes kaufen, weil es um soundsoviel Prozent reduziert ist. Ist dir außerdem mal aufgefallen, dass der Großteil der Leute, die dort einkaufen, völlig gestresst ist und dass sich dieser Stress dann auf dich überträgt? Das künstliche Licht tut dann sein Übriges.
Was ich hingegen liebe, ist das Einkaufen auf dem Markt. Das ist immer wie ein kleiner Ausflug und sorgt tatsächlich sogar für ein wenig Urlaubsstimmung. Wenn man sich davor oder danach noch mit einer lieben Person zum Kaffee verabredet und dann gemeinsam bummeln geht, macht das Ganze noch viel mehr Spaß. Auch in Unverpackt-Läden und kleineren Bioläden kann man wunderbar entschleunigt einkaufen. Mehr dazu habe ich bereits in meinem Artikel über unverpacktes Einkaufen geschrieben.

Vorräte anlegen

Wie oft ist es eigentlich schon passiert, dass du mal eben schnell eine Portion Nudeln machen oder ein Brot backen wolltest und dann keine Nudeln oder kein Mehl im Haus hattest? Ich kann davon ein sehr langes, melancholisches Lied singen und achte deshalb darauf, trockene Lebensmittel möglichst immer vorrätig zu haben. Wenn sich etwas dem Ende neigt, kommt es auf eine Liste (Heute – nach 26 Jahren verstehe ich endlich den Sinn dieser Magnetlisten, die man an den Kühlschrank pappen kann.) und wird dann beim nächsten Großeinkauf im Unverpackt-Laden nachgekauft. Ich versuche, hier langsam aber sicher eine Regelmäßigkeit reinzukriegen und diese Einkäufe etwa alle zwei Wochen zu erledigen. So ganz klappt das leider noch nicht, aber ich arbeite dran.

Für frische Lebensmittel lieber öfter losziehen

Für frisches Obst und Gemüse gilt bei mir das genaue Gegenteil. Nichts versaut mir die Laune auf Kochen so sehr, wie welker Salat, wabbelige Möhren oder angegammeltes Obst. Glücklicherweise ist in Münster zweimal die Woche Markt, so dass ich frische Lebensmittel immer nach Bedarf einkaufen kann. Sollte ich die Markttage mal verpassen, gehe ich einfach in den Bioladen meines Vertrauens, oder nehme etwas aus dem Unverpackt-Laden mit, wenn ich sowieso dort bin.
In ganz akuten Notfällen geht es auch schon mal zum Supermarkt. Aber dann muss es echt ganz, ganz dringend sein.

Vorbereitung ist alles

Wenn es unter der Woche mal schnell gehen muss, ist es super hilfreich, wenn du ein paar Lebensmittel schon vorgekocht im Kühl- oder Gefrierschrank hast und du sie nur noch mit ein paar frischen Sachen zusammenschmeißen musst. Ich habe meist eine Dose mit bereits gekochtem Reis im Kühlschrank, zu dem ich mir dann nach Lust und Laune etwas Gemüse brate, oder den ich als Sättigungsbeilage in meine Buddha Bowl gebe.
Da Hülsenfrüchte immer einiges an Zubereitungszeit benötigen, weiche ich die meistens am Freitag- oder Samstagabend in größeren Mengen ein und koche sie dann am drauf folgenden Tag. Ein Teil davon wird dann direkt verwendet, der Rest wandert, je nach Bedarf entweder in den Kühlschrank oder ins Gefrierfach. Das spart unfassbar viel Zeit.

Fertigfutter selbst herstellen

Da ich mich mittlerweile ziemlich gut kenne, versuche ich immer, ein „Notfallessen“ im Gefrierschrank zu haben. Dafür koche ich einfach die doppelte Menge eines Gerichts (mit Currys und Suppen geht das besonders gut) und friere die zweite Portion direkt ein.
Du kannst dir im Grunde auch einzelne Bestandteile eines Gerichts im Kühlschrank abpacken und diese dann über die Woche verteilt aufbrauchen. Ich mache das manchmal mit Gemüsepfannen. Dann gibt es an einem Tag Nudeln dazu, am anderen rolle ich das Gemüse in einen Wrap mit ein und am nächsten wandert es auf meinen Salat, oder einen Burger.

Multifunktionale Zutaten

Das Kreieren verschiedener Gerichte mit den selben Zutaten ist ein echter Pro-Tipp, wenn man faul ist, aber trotzdem nicht auf Abwechslung verzichten möchte. Ich habe deshalb immer frischen Salat oder Spinat und verschiedenes Gemüse im Haus. Und Kichererbsen. Ich meine, Hallo?! Die kann man so wie sie sind auf den Salat packen, sie zu Burgerbuletten verarbeiten, oder Hummus draus machen. Vielseitiger geht fast nicht. Daraus entstehen dann gehaltvolle Salate, Wraps, Burger, Buddha Bowls oder mein absoluter Klassiker „Reis mit Scheiß“ – alles, was so da ist in der Pfanne gebraten mit Reis.

Experimentieren

Essen würde mir nicht halb so viel Spaß machen, wenn ich nicht öfter mal was Neues ausprobieren würde. Da sind schon so viele neue Leibgerichte draus entstanden. Eins davon sind Bananen mit Erdnussbutter als Snack für Zwischendurch. Foodporn Deluxe. Und dabei mochte ich Erdnussbutter früher nicht mal.
Wenn es deine Zeit also erlaubt, dann wage dich doch mal an dieses eine so verdammt lecker aussehende Rezept, das schon eine halbe Ewigkeit in deinen Lesezeichen schlummert.

Das Wichtigste ist jedoch, dass du dich nicht unter Druck setzt. Niemand ist perfekt und wenn du Lust auf eine Pizza vom Lieferdienst hast, dann gönn‘ sie dir um Himmels Willen! Eine völlig cleane Ernährung ist zwar möglich, meiner Meinung nach aber nicht sinnvoll, wenn man sich damit die Freude am Essen nimmt. Und darauf kommt es doch hier eigentlich an: Spaß am Essen und am Herumprobieren mit Lebensmitteln zu haben.

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3 Comments

  • Reply
    Tabea
    10. September 2017 at 8:54

    Genau wie du koche ich total gerne und nur sehr selten Fertiggerichte. Das Einkaufen macht mir auch unheimlich Spaß – sogar in Supermarkt, weil ich meist nur Obst und Gemüse betrachte. Bei Rest, der immer vorrätig sein muss, weiß ich genau, in welchen Regalen das Zeug steht und achte gar nicht auf die Menschen und Schilder drumrum. Bioladen oder sowas wie gar unverpackt gibt es hier nicht.

    Und Gemüse hole ich meist auch mehrmals – momentan zum Glück auch ein Mal pro Woche von meiner Oma.

    Und bei Kochen gilt: viele einfache, schnelle Rezepte, immer viel Gemüse und Reste werden eingefroren. An der Arbeit gibt es nur vorgekochtes Zeug oder selbst gebackene Muffins und Brötchen.

    Neues probiere ich auch sehr gern, falls ich doch mal Zeit habe 🙂

    Also: Deine Tipps sind alle super!

    Liebe Grüße

    • Reply
      Natalie
      13. Oktober 2017 at 16:20

      Liebe Tabea,

      vielen lieben Dank für dein Feedback. Das hört sich doch super an! In manchen Situationen ist es wohl doch gar nicht so schlecht, mal mit Scheuklappen durchs Leben zu gehen – zumindest im Supermarkt finde ich das absolut legitim.

      Liebe Grüße,
      Natalie

      • Reply
        Tabea
        14. Oktober 2017 at 5:30

        Bei der Werbung heutzutage geht es ohne Scheuklappen einfach nicht mehr, wenn man dem gesundheitlichen und finanziellen Ruin entgehen möchte 😉

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