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So funktioniert Selbstfürsorge – eine Kurzanleitung

Selbstfürsorge entwickelt sich im Moment zu einem echten Trendwort. Aber was meinen wir eigentlich damit, wenn wir davon sprechen, FÜR uns SELBST zu sorgen? Reicht es nicht, wenn wir jeden Tag essen, trinken und darauf achten, dass wir halbwegs genug Schlaf bekommen und uns im Idealfall noch in irgendeiner Form sportlich betätigen? Achtung Spoiler: Nein, tut es nicht!

Als Kinder haben wir automatisch und unbewusst Selbstfürsorge praktiziert.

 

Denken wir doch einmal zurück, zu dem Zeitpunkt, als wir noch klein waren. So etwa vier-bis-sieben-Jahre-alt-klein. Ich bin damals auf Bäume geklettert, habe mich mit meiner allerliebsten Kindergarten- und Grundschulfreundin zum Spielen getroffen, wann immer ich Lust dazu hatte. Wenn mir etwas nicht gepasst hat, habe ich das deutlich Kund getan. Ich habe getanzt, gelacht, und bin jedes Wochenende mit Mama zum Reiterhof gefahren. Kurz: Ich habe das gemacht, was mir gut tat – und das ganz instinktiv.

Irgendwann muss der Selbstfürsorge-Instinkt verloren gegangen sein.

 

Ich weiß nicht, wie, oder warum, aber irgendwann habe ich diese Leichtigkeit verloren. Und ich weiß, ich bin nicht die Einzige. All die Life-Coaches und Psychotherapeuten, die mittlerweile (fast) komplett ausgebucht sind, beweisen: Die Leute vermissen ihr inneres Kind, das sie genau das machen lässt, das gut für sie ist. In unserer hektischen Welt, die mittlerweile aus kaum etwas anderem als Terminen, Leistungsdruck und Konsum besteht, vergessen wir etwas sehr Wichtiges: Uns.

Wann hast du zum letzten Mal etwas getan, auf das du richtig, richtig Bock hattest? Etwas, das du richtig zelebriert hast, weil du es ganz allein für dich getan hast?

Unser inneres Kind scheint mit der Zeit stumm geworden zu sein. Es sagt uns nicht mehr, was wir brauchen. Wenn der Chef mit einer Aufgabe um die Ecke kommt, die so gar nicht zu unserem Tätigkeitsfeld und dem überfüllten Terminplan passt, sagt es nicht „Nein, das möchte ich nicht auch noch.“ Es schweigt einfach. Oder?

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Wir haben verlernt, uns selbst zuzuhören.

 

Das Problem liegt nicht im Schweigen. Das innere Kind redet mit uns. Manchmal  schreit es sogar. Wir haben bloß verlernt, ihm zuzuhören, oder ignorieren es einfach. Wir sind so nach außen gekehrt, wollen gefallen, wollen Leistung erbringen, dass wir unsere Bedürfnisse darüber komplett in den Hintergrund drängen. Irgendwann wundern wir uns dann, warum wir uns antriebslos und ausgebrannt fühlen, gehen zwei Wochen zur Kur und machen dann genau so weiter, wie bisher.

Dabei ist es total einfach, Selbstfürsorge zu praktizieren und dadurch ein erfüllteres Leben zu führen.
Die Kunst liegt darin, sich wirklich einmal auf das zu konzentrieren, was man wirklich braucht. An alle, die jetzt „Ich weiß aber nicht, was ich brauche!“schreien: Doch, das weißt du ganz genau.

Die Kunst besteht lediglich darin, die richtigen Fragen zu stellen.

 

Nimm dir einfach mal fünf Minuten Zeit. Das kannst du auch machen, wenn du schon im Bett liegst. Dann ist es im Grunde sogar besonders schön, weil du dann mit super positiven Gedanken einschläfst.
Schließe deine Augen und denke an die Momente in deinem Leben zurück (egal, aus welchem Lebensabschnitt sie stammen), in denen du dich besonders glücklich und erfüllt gefühlt hast.
Erforsche diese Momente dann nach der Ursache für dieses Glücksgefühl. Was hat dazu beigetragen, dass du dich großartig gefühlt hast? War es das wunderschöne Bild, das du gemalt hast? War es das Lächeln, das dir die nette Omi an der Bushaltestelle zugeworfen hat? War es das beruhigende Meeresrauschen im letzten Urlaub?

Schreib diese Momente und die Glücksauslöser am besten auf. Und dann überlege dir, wie du dieses Gefühl wieder aufleben lassen kannst. Nimm nochmal Pinsel und Farbe in die Hand! Geh raus und lächle mal wieder! Schnapp dir deine bessere Hälfte/deinen Hund/deine Kinder/eine gute Freundin und mach einen Kurzurlaub an der Ostsee! Die Lösung ist meist ganz simpel.

Du musst nur vom Zuhören ins Handeln kommen.

 

Es sind meist ganz kleine Dinge, die sofort einen Unterschied machen. Bei mir ist es zum Beispiel das Lesen eines Buches, eine Tasse Tee auf dem Sofa, oder ein Spaziergang mit dem Hund.
Trotzdem gibt es auch größere Baustellen, die langfristigere Bastelarbeiten erfordern. Das ist meistens dann der Fall, wenn du so sehr nach außen gekehrt bist, dass du dich selbst klein redest und dir irgendwann selbst glaubst, dass du etwas nicht kannst, oder allgemein nicht gut genug bist. Ich selbst bin da auch ganz groß drin.

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Sei nett zu dir selbst ♥

Denk doch einfach mal an deinen besten Freund, oder deine beste Freundin und daran, was passiert, wenn ihr euch trefft, oder ihr miteinander telefoniert. Im Idealfall fragst du nach, wie es ihm/ihr geht. Wann hast du dich das zuletzt gefragt? Ist lange her? Dann wird es Zeit.

Nimm dir jeden Morgen nach dem Aufwachen die Zeit, einen Moment da zu liegen, oder zu sitzen und dich zu fragen, wie es dir heute geht. Fühl in dich hinein. Bist du angespannt/nervös/gestresst? Frag dich, warum das so ist und überlege, was du dagegen tun kannst.
Führe einen kleinen inneren Monolog mit dir selbst, als würdest du mit deiner Freundin/deinem Freund über ihre bzw. seine Sorgen reden. Wenn du ermutigende Worte für andere hast, dann solltest du sie auch zu dir selbst sagen können.

Und wenn du dich super fühlst, dann freu dich, pushe dich selbst noch ein bisschen mehr und starte energiegeladen in den Tag.

 

Frage dich dabei auch, was du heute brauchst. Das klingt total banal, weil wir meistens relativ eindeutige Signale für unsere Bedürfnisse von unserem Körper bekommen. Leider haben wir irgendwie verlernt, auch darauf einzugehen. Also frag dich „Was brauche ich heute?“ und dann sorge dafür, dass du es auch bekommst. Das kann ein leckeres, gesundes Frühstück sein; ein Spaziergang; ein Gespräch mit einem lieben Menschen; eine Tasse Kaffee; eine Runde Joggen; und, und, und. Hör in dich hinein, was dir für einen guten Tag fehlt und dann hol‘ es dir!

Ich war mir selbst lange Zeit keine gute Freundin und bin es auch heute noch manchmal nicht. Ich habe mich oft dabei ertappt, wie ich mich selbst kleiner gemacht habe, mir Sachen ausgeredet habe, weil ich dachte, nicht gut genug zu sein und mir innerlich gesagt habe, wie doof ich doch eigentlich bin. Wenn das auch auf dich zutrifft, möchte ich dir eine Frage stellen: Wann hast du deiner Freundin/deinem Freund jemals ernsthaft einen der folgenden Sätze gesagt?

  • „Nee, lass das mal lieber. Das kannst du eh nicht.“
  • „Mein Gott, bist du dämlich!“
  • „War ja klar, dass du das nicht packst.“

Ist noch nicht vorgekommen? Wäre ziemlich verletzend, oder? Merkste was?
Ich finde es wahnsinnig hilfreich, sich selbst, als gute Freundin, oder guten Freund zu sehen und dann einfach mal ein bisschen netter zu sich zu sein. Das erleichtert den Alltag ungemein.

Hier noch ein paar kurze, knackige Tipps, wie du dich selbst wieder mehr wertschätzen kannst:

 

Etabliere kleine Zeremonien der Selbstfürsorge

Jedes noch so kleine Ritual, das du nur für dich zelebrierst, ist eine Wertschätzung für dich selbst. Du kannst dir zum Beispiel jeden Abend eine halbe Stunde Zeit für dein Lieblingsbuch nehmen, eine Kerze anzünden und dich gemütlich aufs Sofa kuscheln. Oder du stehst morgens eine halbe Stunde vor allen anderen auf, kochst dir eine Tasse Tee und setzt dich an deinen Lieblingsplatz im Haus, oder der Wohnung.

Wenn du jeden Tag eine solche Zeremonie abhältst, auch wenn sie noch so klein ist, hast du schon sehr viel für dich getan.

 

Gönn‘ dir

Da gibt es diese wunderschöne Bluse, die du dir schon länger holen wolltest? Du könntest mal wieder eine professionelle Massage vertragen? Ein richtig leckeres Essen ist genau das, was du jetzt brauchst? – Go for it!
Ich will dich hier nicht dazu anstiften, jeden Tag dein ganzes Geld zu verprassen. Es gehört aber auch zur Selbstfürsorge, dass man sich ab und zu mal etwas gönnt, was man super duper gerne haben möchte, oder gerade braucht.

Das können auch ganz kleine Sachen sein, wie eine Tasse Kaffee in einem hübschen Café, oder ein Blumenstrauß für deinen Schreibtisch. Frag dich, wie oben bereits erwähnt, was du brauchst und was dich jetzt glücklich machen würde. Oft sind es die kleinen Dinge, oder schöne Erlebnisse, die die meiste Freude bereiten.

 

Ernähre dich gesund

Kennst du dieses Food Koma nach einer dicken Portion Fast Food? Wenn du für dich selbst sorgen möchtest, solltest du so etwas vermeiden. Wenn nicht schon geschehen, fang an, dich gesund zu ernähren und deinem Körper alle wichtigen Nährstoffe zuzuführen, die er braucht. Viel frisches Obst und Gemüse sorgen für Vitalität und ein gutes Gefühl über den ganzen Tag.

 

Beweg‘ dich

Zu einem guten Gefühl gehört auch Bewegung. Wenn du im Job viel sitzt und auch sonst nicht so richtig raus kommst, schaffe dir die Zeit dafür. Steh morgens früher auf und geh nach draußen. Ein kleiner Spaziergang reicht für den Anfang schon. Statt mit dem Auto, kannst du auch einfach mit dem Rad zur Arbeit fahren, oder dorthin laufen.
Hast du einen Sport, dem du früher gerne nachgegangen bist? Dann versuche, den wieder aufzunehmen. Du wirst sehen, dass du dich direkt besser fühlst.

Es geht hier nur um dich.

Das sind nur ein paar Ideen, wie du besser für sich selbst sorgen kannst. Wie du Selbstfürsorge tatsächlich praktizierst, hängt einzig und allein von dir ab. Ich hoffe trotzdem, dass ich dir vielleicht ein paar Anstöße und Inspirationen geben konnte.

Take care of yourself!

Natalie

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1 Comment

  • Reply
    Warum es manchmal verdammt schwer ist, Yogi zu sein | Yay For Today
    21. Dezember 2016 at 7:02

    […] meines Körpers ignoriert, höre ich mittlerweile auf sie und hole mir das, was ich brauche. Selbstfürsorge ist zu einem zentralen Thema für mich geworden und hat meinen Alltag ungemein […]

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