Yoga

Yoga off the mat: So wirst du abseits der Matte zum Yogi

Ich stand jetzt seit einer guten Woche nicht mehr auf meiner Matte und trotzdem habe ich fast jeden Tag Yoga praktiziert. Das ist im Grunde gar nicht so schwer, wenn wir uns von der weit verbreiteten Meinung lösen, bei Yoga handele es sich um eine Form der Gymnastik.

Der Begriff des Yoga

Bevor Yoga Einzug in die Fitnesskurse unserer westlichen Welt gehalten hat, war es eine Praxis, bei der es darum ging, Körper und Geist in Einklang zu bringen. Da sich das so schwammig und spirituell anhört, dass sich hierzulande kaum einer damit identifizieren kann, geschweige denn sich damit beschäftigen möchte, wurde Yoga kurzerhand zu einer Sportart degradiert. Passt ja auch viel besser in unseren Leistungs- und Fitnesswahn.

Worum es aber wirklich geht, ist sich wieder mit sich selbst zu verbinden, seine Bedürfnisse und die anderer wahrzunehmen und achtsamer mit sich und seiner Umwelt umzugehen. Die einzelnen Aspekte der Yogatradition habe ich in meiner Einleitung etwas ausführlicher beschrieben.

„Yoga off the Mat“ – Was heißt das?

Um das Verständnis dafür zu vermitteln, dass Yoga eben nicht nur aus Körperübungen besteht, hat sich der Begriff des Yoga off the Mat etabliert. Yoga findet nämlich auch abseits der Matte statt. Manchmal ist man sich sogar gar nicht mehr bewusst, dass man in diesem Moment Yoga praktiziert.

Ein tolles Beispiel dafür ist ein Spaziergang durch den Wald. Besonders schön ist das jetzt im Herbst: Die Blätter sind bunt. Das Laub raschelt unter den Füßen. Man kann Kastanien sammeln und sie als Handschmeichler in der Jackentasche mit sich herum tragen. All das erfordert Achtsamkeit und versetzt dich in einen meditativen Zustand. Wenn ich im Wald war, bin ich hinterher unfassbar glücklich und geerdet. Und ich habe Yoga praktiziert. Verrückt, oder?

Es gibt noch viele weitere Arten, wie du Yoga abseits deiner Matte in deinen Alltag einbinden kannst.

Meditation

Hier ist die Verbindung zum Yoga recht einfach zu finden: Yoga und Meditation gehören einfach zusammen. Auch wenn es erstmal merkwürdig ist, mehrere Minuten still da zu sitzen und nichts zu tun, wirst du schnell merken, dass du innerlich deutlich ruhiger wirst. Ich meditiere am liebsten direkt nach dem Aufwachen – meistens noch im Bett, in meine Decke eingewickelt und mit meinem Kopfkissen unterm Hintern. Einfach ein paar Minuten atmen und ankommen. Dann starte ich meist voller Energie in den Tag.

Dankbarkeit

Meditation und Dankbarkeit sind bei mir eng verknüpft, weil ich beides morgens direkt hintereinander praktiziere. Hierbei gehst du in Gedanken alles durch, wofür du dankbar bist und warum. Das können Dinge sein, die uns ganz banal erscheinen, wie ein Dach über dem Kopf, sauberes Wasser, oder der neue Tag an sich. Es kann aber auch etwas ganz großes, Besonderes sein, das kürzlich passiert ist. Das Ganze ist noch wirksamer, wenn du dabei lächelst. Das schüttet Glückshormone aus und lässt dich den Tag direkt positiv beginnen.

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In die Natur gehen

Ich habe es oben schon erwähnt: einfach mal raus gehen, gibt so viel neue Energie und Klarheit.

Singen und Tanzen

Zugegeben: Ich komme mir echt blöd vor, wenn ich wie eine Bekloppte durch die Bude hüpfe, oder im Auto mit dem Radio um die Wette trällere. Gleichzeitig wirkt das aber wahnsinnig befreiend und setzt jede Menge Energie frei, die vorher irgendwo blockiert wurde. Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, an dem ich ein bisschen über mich selbst lachen muss und das setzt der ganzen Aktion dann die Krone auf. Lachen macht einfach glücklich. Es kann aber auch schon mal sein, dass ich plötzlich traurig werde. Dann kommen negative Emotionen zum Vorschein, die ich vorher erfolgreich verdrängt hatte. Das ist mindestens genau so gut. Dann ist das wenigstens raus.

Anderen eine Freude machen

Yoga off the Mat hat nicht nur etwas mit dir selbst, sondern auch mit deinem Umfeld zu tun.

Geteiltes Glück ist doppeltes Glück.

Schau dir einmal die Menschen um dich herum an. Was könnten sie jetzt gerade brauchen? Worüber würden sie sich freuen? Stell deiner Mama einen frischen Strauß Blumen auf den Tisch. Schenke dem Paketboten ein strahlendes Lächeln. Nimm deine beste Freundin/ deinen besten Freund mal wieder so richtig fest in den Arm.
Riesige Freude, die du doppelt und dreifach zurück bekommst, schenkst du z.B. auch, wenn du mit einem Hund aus dem Tierheim spazieren gehst, Kratzen kraulst, oder dich auf andere Weise mit den Tieren beschäftigst. Vielleicht freut sich dein eigener Hund auch mal wieder über eine ausgedehnte Kuschel-Einheit.
Wenn du noch ein bisschen weiter gehen möchtest, kannst du dich auch auf vielfältige Weise engagieren: Umweltschutz, soziale Einrichtungen, Tierschutz,… Die Möglichkeiten sind unendlich.

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Bewusster Konsum

Man kann Yoga off the Mat sogar noch weiter fassen, indem man sein Bewusstsein über sein unmittelbares Umfeld hinweg ausdehnt und sich seiner Power voll und ganz bewusst wird. Wir als Konsumenten haben unglaublich viel Macht darüber, was mit unserer Welt passiert. Nicht umsonst heißt es, unser Kassenbon sei unser Stimmzettel. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und darüber lässt sich einiges drehen.
Wir können:

  • weniger, aber dafür hochwertiger konsumieren (Qualität statt Quantität)
  • Produkte mit (ethisch) bedenklichen Inhaltsstoffen meiden (Stichwort Palmöl)
  • auf unnötige Plastikverpackungen verzichten
  • regional einkaufen
  • Fertigprodukte meiden
  • weniger tierische Produkte konsumieren (z.B. einen veganen Tag einlegen)
  • auf regenerative Energien setzen

All das spart Ressourcen ein und schont somit unsere Umwelt. Viele weitere Informationen zu dieser Thematik bekommst du z.B. hier. Die Natur wird dir für einen bewussten Lebensstil danken. Und dein Karma auch.

 

Natürlich ist niemand perfekt und du kannst nicht alleine die Welt retten, oder von heute auf morgen all deine Probleme und inneren Blockaden zu lösen. Wenn du dir aber 2-3 Ideen aus diesen Vorschlägen für Yoga off the Mat heraus suchst (oder eigene entwickelst) und diese umsetzt, wirst du merken, wie sehr sie deinen Alltag bereichern werden. Und vielleicht schaffen wir es ja in der Gesamtheit, die Welt ein bisschen schöner zu machen. Einverstanden?

Natalie

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2 Comments

  • Reply
    Warum es manchmal verdammt schwer ist, Yogi zu sein | Yay For Today
    29. Dezember 2016 at 19:29

    […] du aber nicht jeden Tag Asanas üben. Ein großer Teil der Reise findet nämlich off-the-mat statt. Hier habe ich dir einige Tipps dazu zusammengestellt. Es geht nicht darum, was du wie oft auf deiner […]

  • Reply
    Jenni
    8. November 2016 at 21:18

    Liebe Natalie!

    Ein wunderschöner Artikel mit tollen Gedanken, die ich mir so selbst ehrlich gesagt noch gar nicht gemacht hatte. Yoga abseits der Matte – eine tolle Vorstellung! Die Idee mit der Meditation im Bett werde ich morgen früh gleich einmal testen, das klingt sehr, sehr gut. 🙂

    Waldspaziergänge und allgemein ruhige Spaziergänge erden mich auch immer vollkommen und schütten ziemlich viele Glückshormone frei. Ich glaube, ich war schon wieder viel zu lange nicht mehr im Wald…

    P.S.: Der Igel ist ja mal herzallerliebst!

    Liebe Grüße
    Jenni

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