Yoga

Wie ein Yoga Retreat meine Welt auf den Kopf stellte

Dieser Artikel ist ein bisschen anders, als die, die du bisher von mir kennst. Er ist sehr persönlich. Und er ist streng genommen eigentlich eher eine kleine Geschichte. Die Geschichte über ein Yoga Retreat, das meine Welt – buchstäblich – auf den Kopf gestellt hat. Und ich habe das Gefühl, dass diese nicht die letze Geschichte sein wird, die ich dir erzählen werde.


„Oh mein Gott, wie cool ist das denn?!“

 

Ich lese jetzt schon eine ganze Weile Rebeccas Blog Fuck Lucky Go Happy. Entsprechend aus dem Häuschen war ich, als ich über einen Artikel stolperte, in dem sie zusammen mit Holistic Lifecoach Christine Schmid ein Retreat anbot. Hinter dem etwas sperrigen Namen „Jivamukti Yoga und Transformational Breath Retreat“ sollte sich eine Reise ins Innere verbergen, auf der emotionale Blockaden gelöst und dadurch zu mehr Klarheit verholfen werden sollte. Ich war sofort hellauf begeistert. „Wie geil, dann seh ich Rebecca endlich mal live!“

Und dann ging plötzlich mein Kopf an.

Die Uckermark ist aber verdammt weit weg.
Puh, das kostet ja ne ganz schöne Stange Geld.
Wie willst du da überhaupt hinkommen? Dein altes Auto schafft den Weg niemals!
Blablabla.

Das Problem mit den Köpfen ist Folgendes: Sie behaupten so vehement, zu wissen, was gut für uns ist und was wir wollen, dass wir ihnen irgendwann glauben. Bloß leider haben sie nur in den seltensten Fällen Recht.
Leider wusste ich das zu diesem Zeitpunkt noch nicht und deshalb legte ich die Idee mit dem Retreat vorerst auf Eis.

Clevererweise hatte mein Körper – schlau, wie er ist – kurz vorher bereits eine Mail an Christine verfasst, in der ich mich näher nach Unterkunft und Ablauf erkundigte. Als die Antwort hereingeflattert kam, geriet mein Kopf deutlich in Bedrängnis. Ich wollte das! Aber irgendwie setzte er sich trotzdem durch und ich zögerte die Antwort auf die Frage, ob ich dabei sein wolle, noch etwas hinaus.

Als schließlich der zweite Reminder in mein Postfach flatterte, wurde mir klar: Ich musste mich jetzt entscheiden. Verbindlich. Ich saß gerade im Zug auf dem Weg in die Stadt und lauschte meinem Lieblings-Podcast von Laura Seiler (extrem empfehlenswert!). In dieser Folge erklärte Laura, warum es extrem wichtig sei, zu Gelegenheiten, die sich bieten, einfach mal „Ja“ zu sagen und auf sein Bauchgefühl zu hören, wenn man auf etwas total Bock hat.
Tja, was soll ich da noch groß sagen. Danke liebes Universum für dieses Zeichen!

Zack! Yoga Retreat gebucht!

 

Ein paar Wochen später saß ich in meinem 19 Jahre alten Opel Corsa B, meine Yogamatte, sowie einen Haufen Gepäck auf dem Rücksitz, heizte über die Autobahn und hatte einen Heidenspaß. Ja, mein Auto kann noch fahren. Auch weit und schnell! (Nur bergauf ist etwas knifflig bei 45 PS hinterm überholenden LKW)

Ich hatte meine erste Lektion also schon VOR dem eigentlichen Retreat bekommen, auch wenn ich mir dessen noch gar nicht so richtig bewusst war.

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Mein Kopf und ich

Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass dieses Yoga Retreat das Beste war, was ich jemals für mich getan habe. Mal ganz davon abgesehen, dass der Ort einfach traumhaft, das Essen super lecker, die anderen Teilnehmerinnen super lieb und die Lehrerinnen einfach nur klasse waren.

Ich bin in dem Glauben los gefahren, ein Retreat sei eine Art Yoga-Urlaub. Wenn wir bei dieser Definition bleiben möchten, dann war das mit Abstand der anstrengendste Urlaub, den ich je hatte. Ich hatte bereits am zweiten Tag einen höllischen Muskelkater und war durch die Atemarbeit ziemlich aufgewühlt. Es kommt tatsächlich einiges zu Tage, das man in grauer Vorzeit in irgendwelchen inneren Schubladen versteckt hat. Außerdem wollte mein Kopf einfach nicht seine Klappe halten.

Am Abend unserer Ankunft sollten wir uns eine Intention überlegen, die wir diesem Retreat geben wollten. Damit sollten wir etwas Negatives, das uns beschäftigte, in etwas Positives umwandeln. Einfach, indem wir es anders formulierten. Mein Kopf glaubte, dass er nicht genug Wissen habe, um ortsunabhängig online zu arbeiten. Ich glaubte ihm und wählte deswegen „Ich habe alle Skills, die ich brauche“ als Intention. Irgendwie fühlte sich das doof an, aber in dem Moment fiel mir einfach nichts besseres ein und deshalb blieb es erstmal dabei.

Am nächsten Morgen ging es direkt nach dem Aufstehen in die Meditation. Eine halbe Stunde lang. Ich richtete mich gemütlich auf meinem Sitzkissen ein, schloss die Augen, atmete ein, atmete aus, atmete ein, atmete aus – und dann ging mein Kopf an und dachte über alles Mögliche nach. Und dann ging unter uns in der Küche der Smoothie-Mixer an. Eine halbe Stunde lang überschlugen sich meine Gedanken, dann ging es nach unten für eine kleine Stärkung, bevor die Yogaklasse los ging.

Kopfstand?! Oh shit!

 

Als Rebecca während der Session sagte, wir würden jetzt den Kopfstand üben, habe ich tatsächlich kurz überlegt, ob ich mich irgendwo verstecken kann. Ich hatte seit der fünften Klasse keinen Kopfstand mehr versucht. Meine Sportlehrerin hat es damals ausgezeichnet verstanden, mir dahingehend Angst zu machen. „Streck die Beine! Und jetzt leg das Kinn auf die Brust, sonst brichst du dir das Genick!“ Keine Ahnung, wieso Kopfstand, Handstand und Co. danach für mich gestorben waren. Wirklich unbegreiflich. *Ironie off*

Noch während mein Kopf den totalen Terror schob, war mein Körper schon dabei, Rebeccas Anweisungen zu folgen. Und siehe da! Meine Füße waren in der Luft, meine Knie ruhten auf meinen Oberarmen und ich konnte so ganz bequem stehen. Auch wenn ich die Beine noch nicht durchgestreckt hatte, war ich extrem stolz auf mich. Und total überrascht irgendwie. Dass andere Leute Kopfstände können, war mir immer schon klar gewesen, aber ich?! No way!

Nach einem weiteren ähnlichen Aha-Erlebnis während der Yoga Praxis dämmerte mir dann langsam, was los war.

Mit der Zeit hatte ich Glaubenssätze angenommen, mit denen ich mich selbst total behindere.

 

Die Erkenntnis traf mich, während ich noch in Shavasana lag und nach der Session schrieb und schrieb ich in mein Notizheft und hörte eine ganze Weile nicht mehr auf damit.

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Erkenntnisse aus meinem Yoga Retreat

Ich habe drei große Learnings aus der Uckermark mitgenommen, die eng miteinander verflochten sind.

  1. Ich traue mir zu wenig zu.
  2. Ich achte zu wenig auf mich selbst.
  3. Mein Körper ist schlauer, als mein Kopf.

Nummer Eins habe ich noch am zweiten Abend zu meiner Intention gemacht. Sie lautet seitdem „Ich kann.“
Diese Erkenntnis kam vor allem während der Yoga Sessions zum Vorschein und wurde nochmal bestätigt, als wir am Morgen des letzten Tages den Handstand übten. Ich kann diesen ganzen Scheiß! Mein Kopf wusste das nur nicht.

Die zweite Erkenntnis kam während der Atemsessions und während eines Einzelgesprächs mit Christine. Und auch hier zeigte sich wieder: mein Kopf ist nicht so klug, wie er immer vorgibt.
Ich hatte vor fast einem halben Jahr beschlossen, dass ich gerne Yogalehrerin werden möchte und im Zuge dessen hatte ich mir DIE perfekte Lehrerausbildung herausgesucht. Perfekt ist sie aus mehreren Gründen:

  1. Sie beschäftigt sich nicht vordergründig mit Asanas, sondern mit allem, was Yoga ausmacht.
  2. Die Lehrer sind super sympathisch.
  3. Es ist eine Intensivausbildung. Das heißt ein Monat lang volle Power, statt ein paar Häppchen übers Jahr verteilt.
  4. Sie ist auf Bali, verdammt nochmal! Da will ich wieder hin, seit ich vor zwei Jahren aus dem Auslandssemester zurück gekommen bin.

Weil ich aber zu wenig auf das höre, was ich möchte, habe ich auch diese Idee – genau, wie die mit dem Yoga Retreat anfangs – verdrängt. Außerdem hat mein Kopf noch ein paar Zweifel dazu gestreut (Er wäre nicht mein Kopf, wenn er das nicht tun würde.) und deshalb wusste ich schließlich nicht mehr, was ich mit mir anfangen sollte. Die Zukunft ist ja so verdammt ungewiss!

Halt die Klappe, Kopf!

 

Weil ich jetzt weiß, dass mein Kopf keine Ahnung hat, glaube ich daran, dass ich die Lehrerausbildung machen kann. Ich weiß, dass ich das schaffen werde, auch wenn sich meine Familie Sorgen macht. Ich weiß, dass ich diese Sorgen nicht zu meinen eigenen machen muss, denn ich kann das und ich möchte das und ich brauche das. Punkt.

Ich habe mir vorgenommen, nicht mehr so sehr auf meinen Kopf zu hören, mir Dinge zuzutrauen und das zu tun, was mich glücklich macht. Rückblickend ist es irgendwie verrückt, dass ich das nicht schon vorher auf dem Schirm hatte. Aber genau dafür ist so ein Yoga Retreat ja da: Um Klarheit zu bekommen.

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Warum ein Yoga Retreat?

Wenn du mit dem Gedanken spielst, auf ein Yoga Retreat zu gehen, mach es! Klar kannst du auch zu Hause, oder in deinem Lieblingsstudio Yoga üben, aber dir entgehen dabei einige Vorteile.

  • Eine Umgebung, losgelöst von deinem Alltag: Du brauchst dich um nichts zu kümmern, außer um dich selbst. Das Essen wird dir serviert, niemand möchte, dass du Wäsche bügelst, E-Mails schreibst, oder sonstwas tust, das nichts mit deinem Inneren zu tun hat.
  • Ruhe und Zeit für dich: siehe oben. Niemand ist dir böse, wenn du dich zurückziehen möchtest.
  • Eine intensive Erfahrung: Eine Yogastunde reicht meist nicht aus, um solche Erfahrungen machen zu können. Ein Wochenende kann allerdings schon was reißen.
  • Nähe zu deinen Lehrern und anderen Teilnehmern: Du hast eine Frage, die dir unter den Nägeln brennt? Du fühlst dich komisch und möchtest dich gerne ausheulen? Auf einem Yoga Retreat findest du ganz bestimmt ein offenes Ohr – ob in Form deines Lehrers/deiner Lehrerin, oder unter deinen Mit-Yogis.
  • Eine traumhafte Umgebung: Die meisten Retreats finden in wunderschönen Locations statt. Wir waren in einer alten Wassermühle, umgeben von Feldern und Wald. Wenn dir mehr nach Strand und Wärme ist, findet sich aber auch da ein breites Angebot.

Warst du schonmal auf einem Yoga Retreat? Wo wäre deine Traumlocation?

Natalie

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1 Comment

  • Reply
    Die größten Irrtümer über Yoga | Yay For Today
    16. Dezember 2016 at 14:05

    […] Lachen, das jäh von meinem Muskelkater unterbrochen wurde. Ich war am Wochenende zuvor auf einem Jivamukti Yoga Retreat gewesen, von dem mein Körper sich immer noch nicht vollständig erholt hatte. Dementsprechend […]

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