Yoga

Warum Yoga und Veganismus zusammen gehören

Die meisten Menschen, die über einen längeren Zeitraum hinweg Yoga praktizieren, machen ernährungstechnisch eine gewisse Entwicklung durch. Sie essen immer weniger Fleisch, verzichten vielleicht irgendwann ganz darauf und meiden schließlich alle tierischen Produkte. Oder sie haben schon vor Beginn ihrer Praxis ihre Ernährungsweise in diese Richtung verändert.

Bei mir war das auch so. Ich war bis 2013 ein totaler Fleisch-Junkie. Aufgewachsen auf dem Land, war es für mich völlig normal, dass fast jeden Tag Fleisch auf den Tisch kam und Oma und Opa zusammen mit Papa einmal Jahr im Jahr ein Schwein schlachteten. Mir war also schon immer bewusst, dass Schnitzel und Wurst keine merkwürdig geformten Pflanzen sind, die im Kühlregal im Supermarkt wachsen. Trotzdem habe ich gerne Fleisch gegessen. Rückblickend finde ich es irgendwie verrückt, dass ich erst viel später angefangen habe, wirklich mal zu reflektieren.
Als ich im Sommer 2015 beschloss, Yoga nochmal eine Chance zu geben, war ich also schon weitgehend vegetarisch unterwegs. Im Moment entwickle ich mich in Richtung Veganismus weiter.

Viele Yogis, die ich kenne, haben vor, oder während ihrer Praxis eine ähnliche Entwicklung erfahren. Es scheint also irgendeine Verbindung zwischen Yoga und der Art und Weise der Ernährung zu geben.

 

Ahimsa – Yoga und Ethik

 

Yoga ist aus verschiedenen indischen Traditionen entstanden und war ursprünglich nicht als Sport, sondern als eine Form der geistigen Übung gedacht, um sich mit seiner Seele zu verbinden und in seine volle Schöpferkraft zu kommen. Das Ganze ist tatsächlich so schwer, wie es sich anhört und um den ganzen Prozess ein bisschen zu erleichtern, gibt es verschiedene Schriften, in denen gewisse Richtlinien und Anleitungen dafür niedergeschrieben sind.

Eine dieser Schriften ist das Yogasutra, in welchem der sogenannte achtgliedrige Pfad des Yoga zu Hause ist. Mehr über diesen Pad findest du hier.
Das erste der acht Glieder sind die Yamas, welche als Verhaltensregeln für den Umgang mit sich selbst und mit anderen zu verstehen sind.

Nummer Eins der Yamas trägt den klangvollen Namen Ahimsa. Es wird meistens mit „Gewaltlosigkeit“ übersetzt.
Etwas ausführlicher betrachtet, kann man Ahimsa folgende Essenz entnehmen:

  • Respektiere deinen eigenen Körper
  • Übertrage diesen Respekt auf alle anderen lebenden Wesen
  • Füge weder dir, noch anderen Lebewesen Leid zu

Uns selbst kein Leid zuzufügen ist einfach.

 

Wir Lebewesen sind ja zunächst mal so konzipiert, dass wir genau das tun wollen, was unser Name uns nahelegt: leben. Deshalb achten wir darauf, dass es uns gut geht, essen und trinken, um unseren Körper zu ernähren und würden uns (außer in extremen Ausnahmen) niemals selbst irgendetwas antun. Jedes Lebewesen hat diesen eisernen Willen, leben zu wollen.

Was passiert, wenn der eigene Lebenswille mit dem eines anderen Lebewesens kollidiert?

 

Es gibt Situationen, in denen der Wunsch, zu leben, mit dem eines Anderen kollidiert. Ein Beispiel:
Der Bussard braucht, wie alle Wesen, Nahrung zum Leben. Um seine Ernährung sicher zu stellen, muss er aber einer Maus, die ebenfalls den Wunsch nach Leben hat, genau dieses nehmen. Es entsteht quasi ein unvermeidbarer Interessenkonflikt, schließlich ist ein Bussard als Jäger konzipiert.

Bei uns Menschen zieht dieses häufig vorgebrachte Argument jedoch nicht. Wir haben weder Klauen, noch Reißzähne und haben uns in unseren Anfängen rein pflanzlich ernährt – von dem ein oder anderen Käfer mal abgesehen. Für uns besteht keine Notwendigkeit, einem anderen Lebewesen das Recht auf sein Leben zu nehmen. Wir haben also die Wahl, wie wir unser Überleben sichern.

Leid geht jedoch weit über das Töten hinaus.

 

Leid tritt sowohl in seelischer, als auch in körperlicher Form auf. Wird ein Lebewesen gejagt, oder auf einen Schlachthof gebracht, durchlebt es beide davon. Leid muss jedoch nicht immer in Zusammenhang mit dem Tod stehen. Zumindest dann, wenn es von Menschenhand zugefügt wird. Kein Tier würde einem anderen Lebewesen Leid zufügen, wenn es nicht vorhätte, dieses um seines Überlebens Willen zu verspeisen.

Der Mensch hingegen tut das. Er sperrt Tiere ein, dressiert sie auf schmerzhafte Art und Weise und nutzt sie zu seiner Belustigung. Zirkus, Zoo, Delphinarium – da klingelt’s, oder? Einen sehr gelungenen Artikel über die Ausbeutung von Walen und Delphinen findest du bei Jenni.
Der Mensch fügt auch seinen Artgenossen Leid zu. Man denke nur an die unzähligen Kriege und Verfolgungen.

Doch auch zum Zweck der Nahrungsgewinnung fügen wir anderen Lebewesen Leid zu, ohne dass dieses zwangsläufig zum Tode und zum Verspeisen eben dieser führt. Im Laufe der Zeit hat sich der Mensch andere Wesen so sehr zu Eigen gemacht, dass er sie sogar in spezielle Richtungen gezüchtet hat, um den maximalen Profit aus ihnen zu schlagen. Hühner waren z.B. ursprünglich nicht mal halb so groß, wie heute und von den Massen an Milch, die sogenannte „Milchkühe“ mittlerweile geben, möchte ich gar nicht anfangen.

Alleine das Einsperren und gezielte Vermehren stehen im krassen Gegensatz zu Natur und Lebenswille der Tiere. In der Philosophie des Yoga sind alle Lebewesen gleich wichtig und gleich viel wert. Die Tatsache, dass sich der Mensch die Tiere zu eigen macht, ihnen ihre Freiheit nimmt und sie so züchtet, dass sie ihm am besten dienen können, widerspricht dieser Philosophie. Tiere sind nicht auf der Welt, um dem Menschen zu dienen.

 

Die Sache mit dem Mitleid

 

Mit-Leid. Ich leide mit jemandem. Wenn ein Lebewesen leiden muss und wir haben Mitleid, dann leiden wir auch. Ist es nicht gerade das, was es zu vermeiden gilt?

Yoga verstärkt Mitgefühl und auch Mitleid.

 

Die Yogapraxis vermittelt uns zunächst mal ein Gespür für unsere körperlichen und seelischen Bedürfnisse. Wir werden achtsamer uns selbst gegenüber. Doch dabei bleibt es meist nicht. Diese Achtsamkeit dehnt sich irgendwann auch auf andere Lebewesen aus. Wir werden mitfühlender, können uns leichter in andere Lebewesen hinein versetzen. Und das ist kein Nachteil. Mitleid ermöglicht es uns, das Leid anderer zu erkennen, die Ursache dafür aufzuspüren und einen Weg zu finden, diese zu beseitigen.

Wir erhalten also die Macht, anderen zu helfen, wenn sie nicht in der Lage sind, sich selbst zu helfen.

 

Bei den meisten Yogis ist dieses Gefühl sehr stark ausgeprägt, weswegen sie vieles aus ihrem Alltag verbannen, was einem anderen Wesen einmal Leid zugefügt hat. Dazu gehören neben Fleisch auch alle anderen tierischen Produkte, wie z.B. Milch, Eier, Leder, Wolle, Honig und Seide.

 

Yoga und Veganismus aus gesundheitlicher Sicht

 

Dein Körper ist dein Tempel

Dieser viel zitierte Satz ist ebenfalls ein Teil der Yogaphilosophie. Wenn wir unseren Körper wie einen Tempel behandeln wollen, dann bewegen wir ihn regelmäßig, füttern ihn mit gutem, nährstoffreichem Essen, gehen an die frische Luft und bemühen uns, so wenig Müll, wie möglich in ihn hinein zu stopfen.

Genau dieser Müll ist aber bei der Ernährung mit tierischen Produkten ein Problem. In den aller-allerseltensten Fällen stammen Fleisch, Milchprodukte und Eier vom kleinen Bauernhof nebenan, auf dem die Kühe glücklich über die Wiese springen dürfen, bevor sie kopfüber an der Decke aufgehängt werden. Das Fleisch, was wir im Supermarkt kaufen können, stammt meist aus riesigen Betrieben, in denen die Tiere auf engstem Raum zusammen leben. Freigang ist da eher die Ausnahme.

Wenn Tiere auf so wenig Raum miteinander auskommen müssen, ist Ärger vorprogrammiert. Wenn wir Menschen in einem kleinen Zimmer mit 20 anderen leben müssten, würden wir uns irgendwann auch in die Haare kriegen, oder?
Verletzungen sind dann keine Seltenheit und damit es nicht zu einer Entzündung kommt, die Tiere vielleicht sogar krank werden und sterben und somit nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion brauchbar sind, bekommen die Antibiotika. Und zwar reichlich.
Werden die Tiere geschlachtet, verbleiben die Rückstände der Medikamente und Hormone, die sie zu sich nehmen mussten, in ihrem Körper. Drei Mal darfst du raten, wer das Zeug dann über die Nahrung in seinen eigenen Körper aufnimmt. Richtig. Der Mensch, der abends genüsslich sein Steak verputzt.

Doch nicht nur im Fleisch finden sich Rückstände von Hormonen und Medikamenten. Auch in Eiern und in der Milch bleiben diese Stoffe erhalten. Nicht umsonst wird allen (werdenden) Menschenmamas ja auch davon abgeraten, Antibiotika zu sich zu nehmen, wenn sie schwanger, oder am Stillen sind.

Selbst wenn man Yoga also „nur“ aufgrund der körperlichen Vorzüge praktiziert und somit Wert auf eine gesunde Lebensweise legt, kommt man um eine gewisse Reflexion seiner Ernährungsweise nicht herum. Weitere (gesundheitliche) Vorteile veganer Ernährung findest du bei Cosima und Katrin.

1-monat-vegan

 

Ein stetiger Prozess

 

Auch wenn sich das jetzt alles furchtbar hart und schlimm anhört, ist das kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken, wenn man auf den Geschmack von Käse nicht verzichten kann.
Der Weg zum Veganismus ist sehr persönlich und kann sich unter Umständen sehr lange hinziehen (Ich mein, wie viele Jahre habe ich jetzt gebraucht, bis ich endlich auf den Trichter gekommen bin?). Du musst jetzt nicht über Nacht etwas erzwingen, für das du (noch) gar nicht bereit bist.

Für alle, die aber doch gerne einmal ausprobieren möchten, wie es ist, sich rein pflanzlich zu ernähren – und das ist weder schwer, noch ungesund, oder beängstigend, oder von Heißhungerattacken geprägt – hat die liebe Edda von The bird’s new nest die #1MonatVegan Challenge ins Leben gerufen.
Du erhältst hier jede Menge Input und Inspiration in Form von tollen Blogbeiträgen und am Ende lockt sogar ein Gewinnspiel. Mehr Infos dazu gibt’s hier. Vielleicht ist das ja der kleine Schnipsel Motivation, der dir noch gefehlt hat. 🙂

Um dir den Einstieg ein wenig zu erleichtern, gibt es hier eine kleine Liste mit hilfreichen Artikeln, die im Rahmen der #1MonatVegan Blogparade geschrieben wurden:

Ganz egal, wie und wo du anfängst, ich freue mich auf jeden Fall, wenn du mit dabei bist. Denn ja, ich bin zwar spät dran, aber ich werde auch mitmachen. 🙂

Im Rahmen der Blogparade werden noch viele weitere tolle Artikel erscheinen (jeden Tag einer). Damit du immer auf dem Laufenden bist, werde ich den Artikel des Tages auf meiner Facebook-Seite promoten. So verpasst du ganz bestimmt keine Tipps und Rezepte.

Natalie

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4 Comments

  • Reply
    #1MonatVegan: Alle Beiträge zur Blogparade mit Challenge | The bird's new nest
    31. Oktober 2016 at 2:45

    […] veganen Süßigkeiten!” 22. Meine liebsten veganen und rohveganen Back- und Kochbücher 23. Warum Yoga und Veganismus zusammen gehören 24. Gemüse als Heilnahrung 25. Warum ich vegan geworden bin 26. Einfach vegan backen – […]

  • Reply
    Veganismus - ein Selbstversuch mit der #1MonatVegan Blogparade - Wohn' doch wie ... Du willst!
    30. Oktober 2016 at 23:46

    […] Pingback: Warum Yoga und Veganismus zusammen gehören | Yay For Today […]

  • Reply
    Jenni
    23. Oktober 2016 at 19:47

    Liebe Natalie!

    Bitte mehr von solchen richtig, richtig guten Artikeln! Ich bin ganz hin und weg! 🙂
    Super, wie du die Zusammenhänge zwischen Yoga und Veganismus ausgearbeitet hast – vom Schreibstil einmal ganz zu schweigen! Ich hatte mich ja selbst auch vor Kurzem in einem Gastbeitrag damit befasst und war zu ähnlichen Ergebnissen gekommen – sie durch deine Erfahrung (die bezüglich Yoga auf jeden Fall um einiges umfassender ist als meine) noch einmal bestätigt zu bekommen, ist toll zu lesen – danke dir dafür!

    Ich glaube, es sollte viel mehr Yogis auf der Welt geben. 😉

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Reply
      Natalie
      2. November 2016 at 20:02

      Liebe Jenni,
      vielen, vielen Dank für dein liebes Feedback! Das freut mich wirklich sehr.
      Ich finde auch, dass sich Yoga noch viel weiter in unserer Kultur verbreiten und etablieren sollte – am besten schon von klein auf. Ich habe letztens von Programmen gelesen, die Yoga und Meditation in Schulen einführen sollen. Ich finde, das ist eine großartige Idee!
      Schauen wir mal, was die Zukunft da so bringt. 🙂
      Liebe Grüße,
      Natalie

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