Yoga & Atmung

Warum Atemübungen nicht nur was für Schwangere sind

Bewusste Atmung und Atemübungen können einen positiven Effekt auf unser körperliches und geistiges Wohlbefinden haben.

„Also machst du so Schwangerschafts-Hechelkurse?“

Diese oder ähnliche Reaktionen begegnen mir nicht selten, wenn ich im Gespräch fallen lasse, dass ich Atemkursleiterin bin. Zeit also, dieses Mysterium aufzuklären und ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen.

Zunächst einmal ist es tatsächlich so, dass viele Mütter bestätigen, wie hilfreich eine tiefe Atmung bei der Geburt war. Insofern ist der Gedanke an Geburtsvorbereitungskurse gar nicht mal so unfassbar weit hergeholt.

Atmung kann aber auch im ganz normalen Alltag einiges. Wir wissen das bloß nicht, weil wir so gut wie nie bewusst atmen.

Was bedeutet eigentlich bewusste Atmung?

„Werde dir selbst deiner Atmung bewusst.“, hört sich erstmal genauso schwammig an, wie „Fühl in dich hinein!“ oder „Hör auf dein Herz!“, ist aber deutlich leichter umzusetzen.

Alles was du dafür tun musst, ist dich ganz genau auf deine Ein- und Ausatemphasen zu konzentrieren und die Bewegungen in Bauch- und Brustraum nachzufühlen. Je nach Atemtechnik kommen dann vielleicht noch ein oder zwei zusätzliche Fleißaufgaben, wie bestimmte Bewegungen oder Körperhaltungen, dazu.

Worum es bei Atemübungen im Kern geht, ist die Vertiefung der Atmung. Im Alltag atmen wir ganz oft viel zu schnell und zu flach und genau das wollen wir mit Atemübungen ändern.

Die Vorteile bewusster Atmung

Im Grunde funktionieren wir natürlich auch, wenn wir mit unserer hektischen Alltagsatmung weitermachen – hat ja bisher schließlich auch geklappt. Eine tiefe Atmung (und dabei geht es vor allem um das Atmen in den Bauch) hat aber einen ganzen Haufen Vorteile.

Stressreduktion und Beruhigung

Wer häufiger unter Strom steht, sei es beruflich oder privat, kann mit bewusster Atmung ein wenig mehr Ruhe in seinen Alltag bringen. Natürlich sind Atemübungen nicht als Instant-Kur gedacht, um jeden Tag ans leistungstechnische Limit zu gehen (oder es sogar zu überschreiten). Sie können aber einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, solche Phasen besser zu überstehen.

Auch in akuten Situationen sind Atemübungen extrem hilfreich, um wieder einen halbwegs klaren Kopf zu bekommen. Sprüche wie „Jetzt atmen wir erstmal schön locker durch die Hose.“, fallen ja nicht einfach so vom Himmel.

Entspannung

Es ist absolut faszinierend zu beobachten und war für mich anfangs völlig undenkbar, aber mit bewusster Atmung lassen sich sogar Muskelverspannungen lösen. Indem man beim Atmen seinen Fokus auf den entsprechenden Körperbereich richtet, aktiviert man die tiefliegenden Muskelschichten an dieser Stelle und sorgt so dafür, dass sie sich Schritt für Schritt wieder lockern. Ein absoluter Segen für Rückenschmerzen und Mestruationskrämpfe!

Abtransport von Säuren

Was die meisten Menschen nicht wissen: Unsere Atmung hat einen erheblichen Einfluss auf unseren Säure-Basen-Haushalt. Etwa 70% der Abfallstoffe in unserem Körper werden über das CO2 in unserer Ausatemluft abgegeben. Je tiefer wird atmen und je länger wir vor allem ausatmen, desto mehr unterstützen wir den Abtransport von Säuren.

Besserer Schlaf

Da Atemübungen einen positiven Effekt auf unser allgemeines Stresslevel haben, wirken sie sich auch günstig auf unseren Schlaf aus. Wer tief atmet, schläft besser – und oft auch schneller ein.

Höheres Selbst- und Körperbewusstsein

Es ist total schwer zu erklären, aber wenn ich ein paar Mal tief ein- und ausgeatmet habe, fühle ich mich viel mehr in meinem Körper angekommen. Seit ich bewusster atme, achte ich auch viel mehr auf mich und meine Bedürfnisse. Plus: Nach manchen Übungen fühle ich mich drei Meter groß und als könnte ich Bäume ausreißen.

Zusammengefasst könnte man sagen, dass einen eine bewusste Atmung zu einem entspannteren Menschen macht. Natürlich ist das nur bis zu einem gewissen Grad möglich. Wenn du dich jeden Tag bis zum Äußersten verausgabst und mit deiner Lebensweise insgesamt unzufrieden bist, werden Atemübungen da auch nichts dran ändern. Da musst du dann schon selbst ran.

Insgesamt sind sie aber eine gute Sache, weil sie sich sowohl auf das seelische als auch auf das körperliche Wohlbefinden positiv auswirken können. Man muss also nicht zwingend schwanger werden, um sich mit seiner Atmung auseinanderzusetzen. Das ist so oder so eine gute Sache.

Ein paar einfache Übungen für den Einstieg findest du übrigens hier.

Foto: Brooke Cagle via Unsplash

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1 Comment

  • Reply
    Sophia
    18. März 2019 at 18:58

    Hallo Natalie!
    Ich kann dir nur Recht geben: die richtige Atmung ist GOLD wert! Besonders wenn ich mir meine Sport-Kolleginnen im Fitnessstudio ansehe und höre wie flach sie eigentlich atmen, verwundert es mich nicht wieso so viele, schnell aus der Puste sind und mit meinem Tempo nicht mithalten können! Aber auch beim Yoga ist die Atmung entscheidend darüber ob und wie lange man eine Stellung halten kann. Toll geschrieben 😉

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