Kolumne

Mut ist, wenn man’s trotzdem macht

Mein persönlicher Senf zu ein paar persönlichen Themen.

Ich stehe mit einem riesigen Surfbrett unterm Arm am Strand und beobachte, wie eine Welle nach der anderen bricht. Kurz zuvor war ich wild entschlossen, surfen zu lernen. Jetzt mache ich mich vor Angst fast in die Bikinihose. Was, wenn ich runterfalle und so richtig gespült werde? Ich hasse das Gefühl, unter Wasser zu sein und nicht zu wissen, wo oben und unten ist. Im selben Moment verurteile ich mich für meine Angst und dafür, dass ich so ein Feigling bin.

Mein Surflehrer Made schaut mich erwartungsvoll an. “Bagus?” – das ist Indonesisch und bedeutet “gut”. ich schlucke, atme tief durch und nicke dann zögerlich. Und irgendwie stehen wir dann kurze Zeit später plötzlich im Wasser. Made mit einem breiten Lächeln im Gesicht, ich mit meiner Angst. Während ich mich aufs Surfbrett ziehe, frage ich mich, warum ich nicht einfach mal mutig sein kann.

Eine halbe Stunde später bin ich zum ersten Mal auf einer Welle gesurft. Zwischendurch bin ich etliche Male runtergefallen, aber es war viel weniger dramatisch, als ich es mir vorgestellt hatte.


Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst

Seit meinem Surfkurs sind jetzt vier Jahre vergangen und in dieser Zeit habe ich einiges über Angst und Mut gelernt. Das wichtigste Learning war, dass mutige Menschen nicht automatisch keine Angst haben. Angst ist etwas, mit dem jeder Mensch zu tun hat. Es kommt lediglich darauf an, wie wir mit dieser Angst umgehen.

Wenn wir Angst haben, zeigt uns das grundsätzlich erstmal, dass wir uns am Rande unserer Komfortzone befinden. Wir sind kurz davor etwas zu tun, was uns im ersten Moment unangenehm oder unbequem vorkommt.

Wir haben in diesem Moment die Wahl, ob wir uns von unserer Angst lähmen lassen oder ob wir sie für uns nutzen.

Es ist super wichtig, Ängste wahrzunehmen, wenn sie auftauchen und ihnen eine Daseinsberechtigung einzuräumen. Schließlich möchten sie uns etwas mitteilen. Wir dürfen ihnen bloß nicht die Macht über unsere Entscheidungen geben, denn die haben wir ja aus einem guten Grund oder einer guten Intuition heraus getroffen.

Mut ist, wenn du deine Ängste wahrnehmen kannst, ihnen Raum gibst und sie anschließend mit einer Tasse Tee aufs Sofa setzt und trotzdem losgehst. Ganz egal, ob es um eine neue Sportart, einen Wohnortwechsel, einen neuen Job, eine neue Beziehung oder sonstwas geht.

Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben.
Mut bedeutet, trotz deiner Ängste deine Komfortzone zu verlassen.

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