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Warum Selbstliebe auch Nein-Sagen bedeutet

Nein-Sagen kann manchmal echt schwer sein. Dabei ist es eine der höchsten Formen von Selbstliebe und oftmals auch einfach dringend nötig.

Wie oft hast du schon zugesagt, etwas zu tun, obwohl du wusstest, dass es eigentlich zu viel für dich ist? In letzter Zeit geht es mir häufiger so, dass ich bei der Arbeit zusätzliche Schichten übernehme und dann während genau dieser Schichten merke, wie ausgelaugt ich bin und wie dringend ich diesen halben freien Tag gebraucht hätte.

Dieses Phänomen tritt aber nicht nur in der Arbeitswelt auf. Oft pflastern wir auch unsere Freizeit dermaßen mit Terminen und Verabredungen zu, dass wir nach dem Wochenende direkt noch ein zweites bräuchten, um uns davon zu erholen.

Ich habe schon ein paar Artikel zum Thema Selbstfürsorge geschrieben, in denen ich Ideen teile, wie du nach anstrengenden Phasen deine Energie wieder aufladen kannst. Das Ding ist: Wenn du ständig unter Strom stehst, kannst du so viele Spaziergänge und Schaumbäder machen wie du willst, der Druck wird dadurch aber nicht weniger.


Das Problem an der Wurzel packen

Sicher wird es immer mal wieder Phasen in unserem Leben geben, die nervenaufreibender, stressiger und anstrengender sind als andere. Das ist halt einfach das Leben. Wichtig ist aber, diese Phasen nicht zum Dauerzustand werden zu lassen. Auf Anspannung muss auch wieder Entspannung folgen – wie bei einem Muskel. Und um das zu erreichen, reicht es leider nicht, am Sonntagabend in die Badewanne zu steigen und zu hoffen, dass man damit die neuen Woche überlebt.

Die Kunst der Selbstfürsorge liegt darin, sich seine Woche so zu gestalten, dass man gar nicht erst das Gefühl bekommt, dass es ums blanke Überleben geht.

Das ist jetzt ziemlich drastisch formuliert, aber du weißt, worauf ich hinaus will, oder? Es geht darum, rechtzeitig auf die Bremse zu treten, wenn man merkt, dass es zu viel wird, dass man Ruhe braucht. Und damit sind wir auch schon bei der ersten Schwierigkeit angelangt: Wie merken wir denn, dass es zu viel ist?


Die Symptomatik von “Zu-Viel” erkennen

Die gute Nachricht zuerst: Wie (fast) alles andere auch, kann man das Auf-Den-Körper-Hören lernen. Die schlechte: Es kann mitunter ein Weilchen dauern. Aber es lohnt sich. Echt. Du merkst dann nämlich nicht nur rechtzeitig, wenn der Berg an Arbeit langsam zu viel wird, sondern auch, was das Potential hat, dich langfristig wirklich glücklich zu machen.

In diesem Lernprozess haben mir ein paar simple Techniken geholfen, ein besseres Körpergefühl zu entwickeln:

  • Meditation und Yoga
    Ja, ich weiß, alles predigen irgendwas von Meditation. Aber ganz ehrlich: das hilft halt auch einfach echt krass. Und das Beste ist: du brauchst dafür nicht mal besonders viel Zeit. Jeden Morgen zwei bis fünf Minuten können schon einiges bewegen. Wenn du etwas mehr Zeit hast, kannst du auch eine kurze Yogasequenz einschieben.
  • Ernährungsumstellung
    Das hätte ich im Leben nicht gedacht, aber seit ich mich intensiver damit beschäftige, was ich jeden Tag so in meinen Körper reinstopfe, habe ich einen viel wertschätzenderen Bezug zu Lebensmitteln bekommen und weiß, welche Nährstoffe ich wann brauche und wo ich sie bekommen kann. Das wirkt sich auch aufs allgemeine Körpergefühl aus.
  • Atemübungen
    Die gehen Hand in Hand mit Yoga und Meditation, lassen sich aber noch viel, viel besser in den Alltag integrieren. Schon mal ne Wechselatmung im Zug gemacht? Nein? Dann wird’s Zeit!
  • Tanzen
    Seit etwas mehr als einem Monat lege ich morgens und abends eine kleine Tanzeinlage ein. Wobei “tanzen” hier echt Auslegungssache ist. Ich hampele einfach zu Gute-Laune-Musik durch mein Zimmer. Das Tolle: Es muss nicht schön aussehen oder rhythmisch sein. Guckt ja eh keiner zu.

Wenn du gelernt hast, wie dein Körper und Geist ticken, wirst du viel leichter merken, wenn sie mal eine Pause brauchen und kannst entsprechend handeln.


Und jetzt alle: Nein.

Es kann manchmal echt schwer sein, nein zu sagen – vor allem wenn starke Emotionen mit im Spiel sind. Auch das ist etwas, was die meisten von uns erst lernen müssen. Ich bin da übrigens immer noch nicht besonders gut drin, weil ich ein extrem harmoniebedürftiger Mensch bin und andere nicht enttäuschen will. (Voll clever, stattdessen enttäusche ich lieber mich selbst. *Ironie off*)

Mir hilft es deshalb immer, mir vor Augen zu halten, wie viel besser es mir gehen wird, wenn ich einfach mal zu Hause bleibe und nichts mache und wie viel leistungsfähiger/ aufmerksamer/ interessierter/ wasauchimmer ich dank der aufgetankten Energie dann bei der nächsten Schicht oder dem nächsten Treffen mit Freunden sein werde.

Diese abschließenden Tipps helfen dabei, konsequent zu bleiben ohne wie ein egozentrischer Eisklotz rüberzukommen:

Zeige Verständnis

Dein Boss hat akuten Personalmangel oder deine Freundin braucht dringend jemanden, bei dem sie sich ausheulen kann? Du kannst die Situation der anderen Person super gut verstehen, also artikuliere das auch ruhig. Denk immer daran, dass dir (zum Glück) niemand in den Kopf gucken und wissen kann, was du denkst. Äußere dein Verständnis und Mitgefühl. Das zeigt deinem Gegenüber, dass du ihn/sie schätzt und legt außerdem den Grundstein dafür, dass sie auch für deine Situation Verständnis haben.

Streiche “ich kann nicht” aus deinem Wortschatz

Indem du sagst, dass du etwas “nicht kannst”, ziehst du dich aus der Verantwortung. Und sind wir mal ehrlich: wenn man wirklich etwas will, dann kann man es auch möglich machen. Sei also ehrlich und sage stattdessen, wie es ist: “Ich brauche Zeit für mich.”, “Ich möchte gerne erstmal wieder etwas auftanken, bevor ich wieder leistungsfähig bin.” oder irgendwas, das zeigt, dass du dich um dich kümmern möchtest, bevor du wieder für die anderen da bist. Damit machst du dich zwar verletzlich, aber genau das ist es, was letztlich Verständnis für dich und deine Situation hervorbringen kann. Außerdem erweckst du bei deinem Gesprächspartner nicht das Gefühl, du würdest dich rausreden.

Verstricke dich nicht in Erklärungen

Du hast nein gesagt, also belasse es auch dabei. Gib keine komplizierten Erklärungen ab, warum. Dadurch entsteht die Gefahr, dass du dich weichklopfen lässt, weil dein Gegenüber anfängt, deine Argumente zu entkräften.

 

Zugegeben, das braucht alles ein wenig Übung. Wir sind nämlich irgendwie darauf konditioniert, immer und stets für andere zur Verfügung zu sein. Ich finde, aber dass es an der Zeit ist, dass du zunächst mal für den wichtigsten Menschen in deinem Leben zur Verfügung stehst: dich.

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