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Warum Stillstand manchmal gut und wichtig ist

Der November war ein harter Monat für mich. Nicht weil ich relativ viel am Blog gearbeitet und mich um allerlei organisatorischen Kram gekümmert habe, sondern weil einfach nichts passiert ist. Zumindest nicht das, von dem ich wollte, dass es passiert.

Ich bin in meine Heimat zurückgegangen, um nochmal von vorne anzufangen und mir ein “erwachsenes” Leben aufzubauen – so richtig mit eigener Wohnung und Bürojob, weil ich zu dem Zeitpunkt dachte, dass ich mal ein bisschen Sicherheit und Stabilität in meinem Leben möchte.
Komischerweise habe ich kaum Wohnungen gefunden, die mir gefallen haben und für die wenigen, die ich gut fand, gab es entweder Absagen oder es kamen irgendwelche verqueren Situationen dazwischen, die dazu führten, dass ich weiterhin wohnungslos blieb. Genau so verhielt es sich mit den Jobs. Völliger Stillstand.

Selbstzweifel als ständiger Begleiter

Die Tatsache, dass ich sehr, sehr ungeduldig werden kann, wenn ich etwas unbedingt möchte, hat nicht gerade zur Verbesserung der Situation beigetragen.

Es gab während dieser Phase eigentlich kaum einen Abend, an dem ich im Haus meiner Großeltern oder Eltern im Bett lag und nicht an mir, meinen Fähigkeiten und meinen Entscheidungen gezweifelt habe. Der Druck, der durch das ständige Nachhaken seitens der Familie bezüglich Job- und Wohnungssuche entstand, hat dann sein Übriges getan.

Ich wollte so sehr, dass sich was tut. Warum hat es das dann nicht einfach?

Stillstand öffnet Raum zum Reflektieren

Da ich im November neben der Arbeit am Blog und meinem ewigen Bewerbungsschreiben nicht viel anderes zu tun hatte, habe ich meine übrige Zeit meiner Spiritualität gewidmet. Ich habe angefangen, Tarot zu legen, habe jeden Tag meditiert und viel über persönliche Weiterentwicklung gelesen.

Irgendwann habe ich angefangen, mich zu fragen, ob eine schicke Wohnung und ein 9to5-Job im Büro wirklich das sind, was ich möchte und nach relativ kurzer Zeit ist vor meinem inneren Auge das “Bitch, please”-Meme aufgetaucht, das ich während meiner intensiven Facebook-Zeit so grandios fand.
Ganz im Ernst: Angestellt im Büro, das bin doch nicht ich!

Was will ich wirklich?

Diese extrem offensichtliche Erkenntnis hat mich wie ein Blitz getroffen und dazu geführt, dass ich mich auf die Suche nach Antworten begeben habe. Antworten auf Fragen wie:

“Was möchte ich eigentlich im Leben erreichen?”
“Wie sieht meine ideale Arbeitsumgebung aus?”
“Wo möchte ich wirklich leben?”
“Was brauche ich, um mich rundum wohl zu fühlen?”
“Was sind meine Werte und Ideale und wie kann ich sie im Alltag leben?”

Ich habe angefangen, meine Träume und Visionen von meinem perfekten Leben zu erforschen und aufzuschreiben und habe Pläne geschmiedet, wie ich sie am besten umsetzen und dabei bereits jetzt schon glücklich sein kann.
Ich habe eine Art Masterplan für mein Leben entworfen und zig hundert Seiten Notizbücher vollgeschrieben.

Als ich damit fertig war, hatte ich einen relativ detaillierten Fahrplan, wo meine Reise hingehen soll und verschiedene Möglichkeiten, wie ich das erreichen kann.
Jetzt sitze ich hier im Januar bei 16 Grad und Sonnenschein in Spanien, arbeite an meinen eigenen Projekten und bin so zufrieden wie noch nie zuvor.

Das alles wäre niemals möglich gewesen, wenn nicht vorher alles schief gegangen wäre und ich mich nicht ein kleines bisschen verloren gefühlt hätte.

Stillstand und Leerlauf zum Wachsen nutzen

Klar ist es in dem Moment, in dem nichts so läuft, wie man es sich vorgestellt hat, schwierig, einen positiven Blick auf die Situation zu entwickeln.
Es kostet aber tatsächlich deutlich weniger Kraft, einfach mal kurz innezuhalten und die Ruhe zu genießen, statt ständig dagegen anzukämpfen.

Leerläufe können eine wunderbare Gelegenheit sein, seine eigenen Akkus mal wieder aufzuladen und zu schauen, wo man gerade im Leben steht und ob die aktuell eingeschlagene Richtung noch der entspricht, in die die Reise gehen soll.

Wenn das nicht der Fall ist, dann ist das der ideale Zeitpunkt, um Ziele neu zu definieren und Wege und Möglichkeiten zu entdecken, um sie zu erreichen – und die können tatsächlich auch völlig verrückt, unkonventionell und auch etwas unbequem sein.

Wenn nichts nach Plan läuft, hilft es manchmal, den Plan zu überarbeiten.

Das Tolle ist, dass wir uns bei unseren Zielen, Träumen und Plänen völlig freimachen können, von dem, was andere von uns erwarten. Schließlich sind es unsere!

Und wenn wir dann eine grobe Richtung haben, können wir uns mit den Details befassen und überlegen, wie wir unsere Vision in die Realität umsetzen können.

Für diese innere Erkundungstour brauchen wir allerdings wirklich mal Ruhe im Außen. Die genehmigen wir uns freiwillig viel zu selten, weil wir so sehr mit unserem Alltagschaos beschäftigt sind und genau deshalb ist Stillstand so wichtig. Wenn gerade mal nichts geht und sich sowieso nichts tut, brauchen wir uns auch im Grunde erstmal eine Zeit lang um nichts kümmern.

Alles, was wir tun müssen, ist den Stillstand zu akzeptieren und für uns zu nutzen.

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