Kolumne

Warum ich mein Leben nicht auf die Kette kriege

Mein persönlicher Senf zu ein paar persönlichen Themen.

Facebook ist schon echt ein erstaunliches Medium. Man erfährt so viel über Menschen, die man einmal kannte, die man aber über die Jahre irgendwie aus den Augen verloren hat. Eigentlich ist das eine gute Sache, denn der Mensch an sich ist schließlich ein sehr neugieriges Wesen und möchte gerne wissen, was in seinem Umfeld so passiert.
Bei mir hat sich der Facebook Feed allerdings zeitweise in einen relativ beunruhigenden Nachrichtendienst verwandelt.

“Deine Grundschulfreundin hat sich verlobt.”

“Deine Klassenkameradin aus dem Deutsch-LK ist schwanger.”

“Das Pärchen, das schon in der zehnten Klasse zusammen war, baut jetzt ein Haus.”

Während ich diese und weitere Statusmeldungen ähnlicher Kategorien lese, überlege ich, ob ich mir jetzt noch was zu essen kochen, was bestellen oder lieber direkt schlafen gehen soll. Gleichzeitig beschleicht mich das ungute Gefühl, dass irgendwas in meinem Leben nicht ganz richtig läuft, dass ich eigentlich auch so ein Statusmeldungsmensch sein sollte, bei dem es “endlich mal vorwärts geht”. Eine leise Stimme in meinem Hinterkopf säuselt mir zu, dass ich mein Leben wohl nie auf die Kette kriegen werde, immerhin sei ich schon Ende 20. Kurz höre ich ihr zu. Dann muss ich lachen.

Vor meinem geistigen Auge ist ein Bild aufgetaucht. Darauf stehe ich mit einem gesichtslosen Mann, der ein ebenso gesichtsloses Kind auf dem Arm hält, vor einem Haus mit penibel gestutzter Hecke. Ich stehe daneben und ziehe eine Grimasse.

Nö. Das ist im Moment so gar nicht meins, stelle ich fest.

Ich liebe mein chaotisches Leben, das mich wie eine Gefühlsachterbahn hoch und wieder runter wirbelt, das keiner vorgegebenen Richtung folgt und immer wieder neue Überraschungen für mich bereit hält. Denn dieses Neue, Spannende und Unerwartete ist das, was ich im Moment brauche und was mein Leben ungemein bereichert.

Und das ist das Verrückte: Für jeden sieht diese Bereicherung, dieses glückliche Leben anders aus. Manche erfüllt es mit tiefer Freude, eine Familie zu gründen, den Traummann zu heiraten oder ein Haus zu bauen. Andere freuen sich, wenn sie vor neue berufliche Herausforderungen gestellt werden. Wieder andere macht nichts glücklicher, als eine gute Zeit mit engen Freunden. Und dann gibt es mich. Mich erfüllt es mit purer Glückseligkeit, wenn Foodora an der Tür klingelt. Okay, das stimmt nur zum Teil – da gehört schon ein bisschen mehr dazu, aber du weißt, worauf ich hinaus will.

Jeder kann etwas in seinem Leben haben, das ihn erfüllt und bei jedem kann das ganz unterschiedlich aussehen. Und wenn man so etwas Erfüllendes nicht hat, hat man es zumindest in der Hand, das zu ändern.
Niemand muss heiraten, muss ein Haus bauen, muss einen fett bezahlten Job und ein Firmenauto haben oder sich wie ein Kleinkind an Weihnachten auf die Pizza freuen. Das einzige, was wir wirklich müssen, ist aufhören, uns zu vergleichen.

 

Bildquelle: pixabay.com

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2 Comments

  • Reply
    Karin
    8. April 2018 at 9:03

    Liebe Natalie!
    Wirklich wunderbar dein Blog -ich liebe alle deine Einträge und das obwohl ich schon 43 bin und wir an unterschiedlichen Lebensphasen stehen. Mach weiter mit deinem Leben du bist genau richtig und freu dich auf deine Pizza- genau um solche Momente geht es im Leben! Deine Karin

    • Reply
      Natalie
      10. April 2018 at 16:01

      Liebe Karin,
      ich habe deine Kommentar heute Morgen gelesen, kurz bevor ich aus dem Haus bin und er hat mich den kompletten Vormittag begleitet. Vielen, vielen Dank für deine lieben Worte! Ich freue mich, dass dir mein Blog und seine Themen so gut gefallen und du immer etwas für dich mitnehmen kannst. Genau darum geht es mir. 🙂
      Ich hoffe, du hast einen wundervollen Tag und kannst die Sonne genießen.
      Liebe Grüße,
      Natalie

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