Kolumne

Das ist jetzt halt so. Warum ich mir statt Sorgen lieber Nudeln mache

Mein persönlicher Senf zu ein paar persönlichen Themen.

“Scheiße, Scheiße, Scheiße! Was machst du denn jetzt, wenn du in zwei Wochen immer noch kein neues WG-Zimmer gefunden hast?”
Ich sitze am Küchentisch und starre aus dem Fenster, ohne wirklich was zu sehen. In meinem Kopf ist, glaube ich, gerade eine Bombe hochgegangen. Gedanken rennen panisch schreiend durcheinander und mein inneres Kind hockt irgendwo mit angezogenen Knien in einer Ecke und heult.

Da ist sie wieder: die Ungewissheit darüber, was als nächstes passiert. Und sie hat Sorgen mitgebracht – und zwar reichlich. Ich kenne dieses Gefühl mittlerweile richtig gut. Wir haben im letzten Jahr sehr viel Zeit miteinander verbracht und uns kennengelernt. Ich weiß genau, was jetzt zu tun ist. Ich klappe den Laptop zu, auf dem ich seit Stunden ziellos durch die Wohnungsanzeigen gescrollt habe, nehme meine Brille ab – und gehe ins Bett.

Es ist ein totales Phänomen, aber mein Bett ist der Ort, an dem ich mich am sichersten fühle. Ich wickle mich in meine Decke ein, rolle mich zusammen und fange langsam an, entspannter zu werden. Irgendwann fallen mir die Augen zu. Dieses ständige Grübeln und Sorgen ist fürchterlich anstrengend.

Als ich eine halbe Stunde später wieder aufwache, fühle ich mich, als wäre ich mein PC, den ich gerade neugestartet habe. Ich kann wieder klar denken und ich fasse den Entschluss, dafür zu sorgen, dass das auch so bleibt. Und ich mache mir einen Plan. Ich schreibe auf, was ich brauche, um meine Sorgen loszuwerden: ein Dach über dem Kopf, klar. Und natürlich habe ich auch ein paar Anforderungen an dieses Dach: nette Mitbewohnerinnen, sauber und gemütlich, in meinem Lieblingsviertel und am liebsten mit Badewanne und Blick ins Grüne. Ganz schön hohe Anforderungen an den Münsteraner Wohnungsmarkt, aber Abstriche kann man ja später immer noch machen.

Ich schmeiße den Laptop wieder an und will gerade damit anfangen, den Filter der Wohnungssuchmaschine mit diesen Informationen zu füttern, als mein Blick an der neuesten Anzeige hängenbleibt: nette WG in meinem Lieblingsviertel, wunderschöne Wohnung unterm Dach mit Badewanne und einem Balkon an jedem Zimmer.
Nächste Woche ziehe ich um.

Das Ding mit den Sorgen ist Folgendes:
Man macht sich grundsätzlich immer zu viele. Und je mehr man sich davon macht, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass man die Ursache dafür beseitigt. Wenn man mal ganz objektiv an die Sache rangeht, fallen einem meist mehrere verschiedene Lösungswege für das Problem ein.

In Seinem Buch Sorge dich nicht – lebe! rät Dale Carnegie dazu, jedes Mal, wenn man sich über irgendetwas Sorgen macht, vier Fragen schriftlich zu beantworten:

  1. Worüber mache ich mir Sorgen?
  2. Was kann ich tun und was sind die möglichen Konsequenzen daraus?
  3. Für welchen Lösungsweg entscheide ich mich?
  4. Wann setze ich meine Entscheidung in die Tat um?

Sorgen bringen einen nicht weiter. Deswegen habe ich irgendwann aufgehört, mir welche zu machen und stattdessen angefangen, nach Lösungswegen zu suchen. Klar habe ich manchmal immer noch Momente, in denen ich nicht weiter weiß, aber ich weiß jetzt zumindest, wie ich damit umgehen kann.

Anstelle von Sorgen mache mir jetzt Nudeln. Davon mache ich nämlich auch immer zu viele.

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